Wie die «Yoom»-Tomate auf die Welt kam

Der Spanier Luis Ortega  ist ein passionierter Tomaten-Züchter im Dienste von Syngenta. Mit der «Yoom»-Tomate ist ihm mit seinem Team etwas geglückt, wovon er geträumt hat: eine Züchtung, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. 

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Diese Geschichte begann irgendwann im Jahre 2008. Bei Syngenta gab es Gespräche darüber, wie eine neue Tomatensorte zu erfinden wäre, die mehr Nährstoffe enthalten sollte wie alles andere, was auf dem Markt erhältlich war. Mit dabei war auch Luis Ortega, der im spanischen Almeria wohnt, in der nahegelegenen Universität von Granada einst zum Biologen ausgebildet worden war, seit über drei Jahrzehnten bei Syngenta angestellt ist und sich inzwischen zum wichtigsten Projektleiter neuer Tomaten-Züchtungen emporgearbeitet hat. Eine glückliche Fügung all dies: Ortega verströmt pure Leidenschaft für seinen Beruf und wohnt am richtigen Ort für seine Passion. Die Gegend der andalusischen Hafenstadt Almeria am Mittelmeer versorgt insbesondere in den Wintermonaten Europa mit frischem Gemüse. Und er weiss wohl auch, was ein Bauer von einer Tomate erwartet, die nahrhaft sein soll: Luis Ortega ist Sohn eines Landwirtes und Bruder eines solchen.  

Eine intensive Handarbeit

Der Weg zum Ziel war freilich ein langer. Tausende von bestehenden Tomatensorten mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften probierte er mit seinem Team aus, aus denen er eine neue Tomatensorte züchten wollte. Es war intensive Handarbeit, mit einer kleinen Pinzette die Pollen von einer Sorte zur nächsten zu übertragen. Es benötigte versierte Wissenschafter aus dem Unternehmen, um bei jeder neuen Züchtung die Zusammensetzung der Nährstoffe, die Süsse oder Säure zu messen. Und es brauchte bei allen Beteiligten stets auch eine gewisse Frusttoleranz, denn ein halber Erfolg reicht für eine Neuzüchtung bei weitem nicht. Einmal war diese zwar voller Nährstoffe und auch optisch eine Augenweide – aber eben auch bitter auf der Zunge. Eine andere mundete wie eine kleine, süsse Melone, war aber derart bescheiden im Körpervolumen, dass mit ihr kein Bauer auf eine kommerziell interessante Anbaumenge pro Pflanze kommen konnte. Eine weitere war zwar ebenfalls wunderbar geniessbar, aber innen und aussen derart grün, dass die Tomate kaum zum Verkaufsschlager geworden wäre, weil diese Farbe beim Kunden wohl keine Beisslust auszulösen vermag. 

 

Der Name «Yoom» ist angelehnt an das japanische «umami», dem fünften kulinarischen Grundgeschmack.

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Eine zweijährige Testphase

Aufgeben konnte freilich für einen wie Luis Ortega nie eine Option sein. Als er bei zehn potenziell erfolgreichen Züchtungen angelangt war, gingen die Kreationen bei Landwirtschaftsbetrieben überall auf der Welt in eine zweijährige Testphase. Am Schluss gab es einen Gewinner, der nicht zufällig auf den Namen «Yoom» getauft worden ist – angelehnt an das japanische «umami», welches gewöhnlich als herzhaft, reichhaltig und fleischig beschrieben wird und gemeinhin neben salzig, bitter, süss und sauer als fünfter kulinarischer Grundgeschmack gilt.  

Ein erster Gaumentest

So kam «Yoom» nach über zehnjährigem Forschungseinsatz von Syngenta und Luis Ortega mit seinem Team als ausgereifte Kreation in Geschmack, Konsistenz, Aroma und Optik auf die Welt. Eine Innovation mit Folgen: Als im Herbst 2020 in Brüssel eine hochkarätige, vom renommierten «International Taste Institut» zusammengestellte Jury bestehend aus 200 weltweit führenden Köchen und Sommeliers die «Yoom»-Tomate erstmals einem Gaumentest unterzog, erhielt sie auf Anhieb den «Superior Taste Award» mit drei Sternen – die höchste Auszeichnung überhaupt. Und auf der «Fruit Logistica», der internationalen Leitmesse für den Fruchthandel in Berlin, erhielt die Neuzüchtung den goldenen Innovation Award 2020, mit dem die zehn bemerkenswertesten Innovationen in der internationalen Frischobst- und Gemüseindustrie ausgezeichnet werden. Ob so viel kulinarischem Lob geht anderes fast verloren: Der für die violette Farbe verantwortliche Pflanzenfarbstoff Anthocyane hat eine antioxidative Wirkung, was im menschlichen Körper freie Radikale bindet. Den Anthocyanen werden noch andere Wirkungen zugeschrieben: Sie sollen die Sehvorgänge verbessern, entzündungshemmend und gefässschützend wirken.

 

Im Herbst 2020 erhält die Yoom den «Superior Taste Award» mit drei Sternen – die höchste Auszeichnung überhaupt.