Weniger regionale Produktion ist nicht nachhaltig

Von Roman Mazzotta, Länderpräsident Syngenta Schweiz

Konsumentinnen und Konsumenten wollen regionale Lebensmittel zu vernünftigen Preisen. Dies wird von den Promotoren der beiden Agrar-Initiativen in der Regel ausgeblendet. Die preistreibenden Konsequenzen sowohl der Trinkwasser-Initiative als auch der Pestizidverbots-Initiative werden verdrängt. Tatsache ist: Beide Initiativen senken die regionale  landwirtschaftliche Produktion in der Schweiz massiv.

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Betroffen ist der konventionelle Anbau, wie auch der Biolandbau. Beide Produktionsformen setzen Pestizide zum Schutz der Kulturen ein. Konkret senkt ein Verzicht auf Pflanzenschutzmittel den Ertrag im Schnitt um 40 Prozent. Bei Früchten, Gemüse, Kartoffeln und im Weinbau kann es je nach Jahr und Witterung zu Totalausfällen kommen. Pestizide schützen auch den Menschen: als Pflanzenschutzmittel zum Beispiel vor hochgiftigen Schimmelpilzgiften (Mykotoxine), als Biozide (Desinfektions- und Schädlingsbekämpfungsmittel) zum Beispiel vor Lebensmittelvergiftungen.

Die Konsequenzen für die Bevölkerung sind klar: Qualität und Lebensmittelsicherheit sinken und die Preise für regionale Produkte steigen. Professor Mathias Binswanger von der Fachhochschule Nordwestschweiz hat die Preissteigerungen erst kürzlich bestätigt. In der Wirkung ist der Preisschub für Regionales auch unsozial, denn nicht alle Schweizer Haushalte können sich höhere Preise für Lebensmittel ohne weiteres leisten. 

Die Initiativen zeichnen die Vision einer Landwirtschaft wie zu Gotthelfs Zeiten. Die Verklärung längst vergangener Zeiten war indes noch nie hilfreich für die Bewältigung der Zukunft. Der technologische Fortschritt in der Landwirtschaft, und dazu gehören auch Pflanzenschutzmittel, hat unserer Gesellschaft enorme Vorteile gebracht. Wir alle schätzen das qualitativ hochstehende Angebot an regionalen Lebensmitteln. 

Die Forderung, dass die Schweizer Landwirtschaft auf den Schutz ihrer Ernten verzichten soll, ist nicht nachvollziehbar. Das propagierte Modell einer Anbauweise ohne moderne Hilfsmittel blendet soziale und ökonomische Aspekte völlig aus und unterstellt den Bauern ein ungenügendes ökologisches Verantwortungsbewusstsein. Es wird auch dem Anspruch der Bevölkerung nach einer möglichst hohen Versorgungssicherheit mit einheimischen Lebensmitteln nicht gerecht. 

Das Modell der Initianten hat fundamentale Schwächen

Bezogen auf die Schweiz schadet das Modell «landwirtschaftliche Produktion senken» unter dem Strich der Umwelt. Agroscope, die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes, hat dies in mehreren Studien nachgewiesen. Eine unproduktive Landwirtschaft führt zu mehr Importen und lässt weniger Flächen frei für Biodiversität. Deshalb sind die beiden Initiativen aus Sicht von Umwelt und Klima kontraproduktiv.

Weltweit sind die Auswirkungen des Modells «landwirtschaftliche Produktion senken» noch gravierender. Bis 2050 wollen gegen 10 Milliarden Menschen ernährt werden. Das geht gemäss Welternährungsorganisation FAO nur bei einer Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität um rund 50 Prozent. 

Ist es da wirklich richtig, wenn die Schweiz auf eine weniger produktive Landwirtschaft und auf zwangsläufig steigende Importe setzt, wenn die ganze Welt in Zukunft mehr Kalorien braucht? Die Schweiz mit ihren guten Böden und ihren gut ausgebildeten Landwirten hat die besten Voraussetzungen, aber auch die gesellschaftliche Verantwortung, ihren Beitrag zur Ernährungssicherheit zu leisten.

Einen wichtigen Beitrag leistet auch die forschende Industrie, die auf Innovationen bei Saatgutzüchtungen, Pflanzenschutzmitteln, Anwendungstechnologien und der Digitalisierung der Landwirtschaft setzt. Damit die weltweiten Ernährungsziele erreicht, die Biodiversität gefördert und gleichzeitig das Klima und die Umwelt geschützt werden, muss die Landwirtschaft die technologischen Möglichkeiten nutzen können, die sich ihr bieten. Es geht nicht um Bio oder konventionell. Für die Sicherstellung der lokalen Ernährungssicherheit braucht es die Kombination aus allen Anbauformen, gepaart mit Innovation in allen Bereichen.

Ideologische Grabenkämpfe führen nicht zum Ziel

Viele Pflanzenschutzmittel sind auch im Biolandbau zugelassen. Es geht darum, für jede Bedrohung der landwirtschaftlichen Kulturen die beste Lösung zu finden. Dazu braucht es auch intensive Kooperationen zwischen Universitäten, forschenden Agrarunternehmen, Landwirtschaft, Verarbeitern und Nichtregierungsorganisationen. Ideologische Grabenkämpfe führen nicht zum Ziel. Es braucht mehr Mit- und weniger Gegeneinander.

Das Argument, Syngenta wolle letztlich einfach immer grössere Mengen an Pflanzenschutzmitteln verkaufen, stimmt nicht. Gemäss Verkaufsstatistik des Bundes wurden in den letzten zehn Jahren mengenmässig rund 40 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel für die konventionelle Landwirtschaft abgesetzt. Auch das Risikopotential der verkauften Mittel für den konventionellen Anbau ist nachweislich gesunken. 

Landwirte wissen ganz genau, was sie brauchen und wollen – und was nicht. Ihnen stehen unsere Verkaufsberater während der ganzen Anbausaison zur Seite. Sie besuchen die Bäuerinnen und Bauern auf dem Hof und erhalten ihren Lohn nicht auf Provisionsbasis. Die Entschädigung ist unabhängig von der Verkaufsmenge.

 

Auch der Klimawandel ruft nach innovativen Lösungen 

Syngenta will innovative Lösungen. Im aargauischen Stein betreibt unser Unternehmen ein Forschungszentrum, das weit über die Schweiz hinaus Impulse gibt. Viele unserer neu entwickelten Lösungen werden an den Unternehmensstandorten in Münchwilen, Muttenz und Monthey weiterentwickelt, formuliert und produziert – zusammen mit verschiedensten lokalen Partner-Unternehmen aus der chemischen Industrie. Dabei muss man wissen, dass die Entwicklung eines neuen Pflanzenschutzmittels rund zehn Jahre dauert. Wir arbeiten also heute schon an den Lösungen für die nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft – nach 2030. Und diese Landwirtschaft soll ressourcenschonend und für die Landwirte attraktiv sein. 

Unsere Verantwortung ist es, innovative Produkte auf den Markt zu bringen, die Pflanzenkrankheiten und Schädlinge gezielt bekämpfen, umweltverträglich sind, gleichzeitig aber die Produktivität der Landwirtschaft sicherstellen – insbesondere auch angesichts des Klimawandels. Darum engagieren wir uns als in der Schweiz verwurzeltes Forschungsunternehmen mit einem langfristigen Zeithorizont für den Innovationsstandort Schweiz und setzen uns für verlässliche Rahmenbedingungen ein.

Die beiden rückwärts gewandten Agrar-Initiativen bieten keine Antworten auf die Herausforderungen, denen sich die Bauern in der Produktion unserer Lebensmittel gegenüber sehen, und schon gar keine nachhaltigen Lösungen. Nachhaltig heisst in diesem Fall: lokal und ökologisch wie ökonomisch verantwortungsbewusst produziert von unseren Bauern. Ihnen sollen auch in Zukunft alle Tools zur Verfügung stehen, die sie für einen effizienten Einsatz aller Ressourcen brauchen.